Bericht ökum. Seniorennachmittag

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Kinonachmittag
Eddy Billeter
So echtes Kinowetter veranlasste rund 30 Seniorinnen und Senioren beider Kirchgemeinden, an diesem unfreundlichen 13. September der Einladung zum Seniorennachmittag zu folgen.
Die katholische Gemeindeleiterin Anne Zorell begrüsste die in gespannter Erwartung harrenden Anwesenden.
Anschliessend wurde der Film „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ aus dem Jahre 2004 gestartet, wobei das Kinopopcorn natürlich nicht fehlen durfte.
Das im Jahr 1949 in Frankreich gespielte Drama könnte, nach den in jüngster Zeit aufgedeckten Fälle, ebenso früher oder später stattgefunden haben. Ein Internat, treffender Ausdruck als Anstalt zu bezeichnen, hat bestimmt seit mehr als 100 Jahren keinen Handwerker mehr gesehen. Die Fassade bröckelte ebenso wie die Moral im Innern. Eine Schar junger Buben, jeder mit seiner eigenen unerfreulichen Vergangenheit belastet, wurde von einem unerbittlichen Direktor in militärischer, unwürdiger Art erzogen, so nach dem Motto: Aktion – Reaktion.
Als sich der neue Aufseher Mathieu das erste Mal dem Gebäude näherte, sah er Jünglinge jeden Alters neugierig durch die kitlosen, verwitterten Fenster gucken. Die Begrüssung durch den Direktor liess dem gutmütigen, rundlichen Fünfziger die Stirn bis in die Glatze runzeln und als im die lärmende Horde vorgestellt wurde, war er doch ein wenig ratlos. Seitens seiner Kollegen war nicht viel Hilfe zu erwarten, die Angst vor dem Direktor war zu gross.
Was war auch von den Jungen zu erwarten, die bis anhin von den Aufsehern nur Schelte, ja sogar Prügel und Strafmassnahmen zu erdulden hatten. Mathieu, nebenbei als nicht gerade erfolgreicher Komponist tätig, sah in dieser an keine glückliche Zukunft glaubende Gesellschaft eine Möglichkeit diese verschlossenen Knospen aufzubrechen. Bis an einen Unverbesserlichen spürten diese Glücklosen, dass der da vorne mit seinem väterlichen Gesicht gar kein so Böser war, nahm er doch manchmal mit einer Notlüge die Fehlbaren vor dem Direktor in Schutz. Als er ebendiesem sogar den Vorschlag machte einen Chor zu gründen, war, wie zu erwarten, nur Spott und Verachtung die Reaktion.
Mathieu schaffte es, trotz unerfreulichen Zwischenfällen, mit Gesang diese Knospen und Herzen aufzubrechen. Die lärmende Bande brauchte ihre Stimmen für Melodien, die zu Herzen gingen. Aber was geschieht mit einer Blume, die kein Wasser mehr bekommt? Sie verdorrt. Und so wird es wohl auch den Zurückgebliebenen ergangen sein, als der Sadist ganz oben dem Hoffnungsträger Mathieu kündigte mit den Worten: „Ach scheren sie sich zum Teufel“ als gleich von Mathieu das Echo kam: “Nein, ich verlasse ihn gerade“. Der einzige, der dieser Hölle entkam war der Kleinste unter ihnen, der den Mut hatte, Mathieu nachzueilen.
Dieser eindrückliche Kinofilm, der durch einen willkommenen Kaffee unterbrochen wurde, hinterliess nachdenkliche Gesichter und sie erhellten sich erst, als wiederum von den fleissigen Damen in der Küche ein schmackhafter Zvieri serviert wurde. Pfarrer Marc Mettler liess im Anschluss an den Film einige Passagen als Diskussionsstoff in die Runde gleiten und verabschiedete unter Verdankung der fleissigen Helferinnen die Teilnehmer, hoffend, dass sie eine glücklichere Jugend geniessen durften.

Eddy Billeter
Bereitgestellt: 19.09.2017     Besuche: 11 Monat 
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